Dienstag, 15.10.2019 10:48 Uhr

Kölner Rubens unter Röntgenstrahlen

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 17.09.2019, 17:27 Uhr
Presse-Ressort von: Jochen Raffelberg Bericht 4213x gelesen

Köln [ENA] Das Gemälde “Kreuzigung Petri” in der Kölner Taufkirche von Peter Paul Rubens wird von Restauratoren auf seinen Erhaltungszustand untersucht. Danach entscheidet sich, ob das Meisterwerk Rubens’ aus dem 30-jährigen Krieg einer Restaurierung unterzogen wird oder, wie es auf einer Pressekonferenz des Erzbistums hiess, “im Idealfall” eine Konservierung ausreicht. Die Voruntersuchung kostet etwa €40.000.

Rubens, dessen Gemälde in der Kölner Jesuitenkirche St. Peter hängt, malte das Altarbild wohl in den Jahren 1638 bis 1640, bevor es 1642 in der rheinischen Domstadt eintraf. Der flämische Barockmaler vollende das Werk erst kurz vor seinem Tod; in Briefen bezeichnete er es als eines seiner besten. Die Kölner Bankiers- und Unternehmerfamilie Jabach hatten das Bild in Auftrag gegeben. Wegen seiner persönlichen Beziehungen zur Stadt seiner Kindheit und zur Grabeskirche seines Vaters Jan Rubens konnte sein Sohn als Maler gewonnen werden. Zwischenzeitlich in die Hände der Franzosen gefallen, wurde das Gemälde im letzten Krieg im Wasserschloss Dyck bei Neuss gelagert.

Das Bild zeigt das Martyrium des Apostels Petrus, der kopfüber von fünf Männern ans Kreuz geschlagen wird. Das Erzbistum spricht von der Darstellung als einem seiner bedeutendsten Kunstwerke, dessen Wert unschätzbar sei, sagte der St. Peter-Pfarrer, Jesuitenpater Stephan Kessler. Auf Auktionen erzielten Rubens-Gemälde bis zu 50 Millionen Pfund Sterling (Sotheby’s). Das Kölner Werk des Stars der Gegenreformation soll entsprechend gesichert sein. Nach der letzten Restaurierung vor 90 Jahren wird das Kunstwerk nun vor Ort nach modernen wissenschaftlichen Standards untersucht. Diese sollen klären, ob und in welchem Umfang Konservierungsmaßnahmen erforderlich sind.

Peter Paul Rubens wurde 1577 in Siegen geboren. Seine Eltern stammten aus Antwerpen, das sie aber 1568 aus religiösen Gründen – Jan Rubens stand den Calvinisten nahe - verlassen mussten. Sie flohen nach Köln ins Exil. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte der junge Rubens in Köln, wo er in der Pfarr- und heutigen Jesuitenkirche St. Peter getauft wurde. Rubens starb 1640 im Alter von 63 Jahren in Antwerpen an der Gicht. Von seinem tausende Arbeiten umfassen-den Gesamtwerk werden dem Historiker Björn Thomann zufolge einige Gemälde in Köln ausgestellt, darunter neben der Kreuzigung Petri das Selbstbildnis im Kreise der Mantuaner Freunde (um 1602/1604) sowie Juno und Argus (um 1611) im Wallraf-Richartz-Museum.

Das Erzbistum finanziert die Voruntersuchung mit über €30.000; das Land Nordrhein-Westfalen steuert knapp €11.000 bei. Im erzbischöflichen Wirtschaftsplan 2019 sind rund €500.000 für die Kunstdenkmalpflege eingestellt. Diese werden als Teil der Zuweisungen an die Kirchengemeinden ausgewiesen. Förderfähig sind laut Diözesankurie Maßnahmen zum Substanzerhalt an der historischen und/oder künstlerischen Ausstattung der Kirchen. Eine Priorisierung erfolgt nicht im Hinblick auf die künstlerische Bedeutung, sondern mit Blick auf die Dringlichkeit. Die Praxis zeige, dass bedeutende mittelalterliche und frühneuzeitliche Ausstattungsteile erhöhten Bedarf aufwiesen. Über die Freigabe der Mittel entscheide der Vermögensrat.

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