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Marx will im Vatikan Missverständnisse ausräumen

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Fulda, 13.09.2019, 17:49 Uhr
Presse-Ressort von: Jochen Raffelberg Bericht 4955x gelesen

Fulda [ENA] Bischöfe und Laien beraten in einer gemeinsamen Konferenz die vom Vatikan beanstandete Satzung des beschlossenen Synodalen Wegs, mit dem die deutsche katholische Kirche in Form einer “strukturierten Debatte” auf ihren Missbrauchsskandal reagieren will. In der kommenden Woche will Kardinal Reinhard Marx in Rom “etwaige Missverständnisse” ausräumen, sodass der zweijährige synodale Weg am 1. Advent beginnen kann.

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hatte am Freitag weiter mitgeteilt, dass Marx nach dem Schreiben des Papstes vor einigen Tagen einen neuen Brief und ein Gutachten aus dem Vatikan erhalten habe, das sich kritisch mit der geplanten deutschen Vorgehensweise befasst hatte. Die DBK verwies darauf, dass “bereits einige Textpassagen” des ursprünglichen Satzungsentwurfs nicht mehr in seiner Neufassung enthalten seien, auf die sich das Gutachten beziehe. Der von der römischen Bischofskongregation mit der Überprüfung der Satzung beauftragte Päpstliche Rat für die Gesetzestexte war zu dem Ergebnis gekommen, dass die DBK Beschlüssen eines Partikularkonzils keine rechtliche Wirkung verleihen könne, weil dies ausserhalb ihrer Kompetenz liege.

Laut Gutachten hat die zunächst vorgesehene Parität von Bischöfen und Laien im synodalen Weg kirchenrechtlich keinen Bestand; die Kirche sei nicht demokratisch strukturiert und Entscheidungen könnten nicht nach Mehrheit der Gläubigen getroffen werden. Die 45-köpfige Gemeinsame Konferenz in Fulda will heute und morgen neben Statuten-Fragen auch den Sachstand in den vorbereitenden vier Foren beraten, die sich mit den Themenfeldern Machtabbau des Klerus, Zölibat, Sexualmoral sowie Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche befassen. Die Diskussionen des Gremiums fließen in die Vollversammlung der DBK eine Woche später und in die Beratungen der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ein.

Katholische Reformgruppen sehen den von Kardinal Marx als verbindlich bezeichneten synodalen Weg als “wohl letzte Chance, die existenzielle Krise der römisch-katholischen Kirche in Deutschland zu überwinden und damit auch positive Impulse für die Weltkirche zu geben”. Anlässlich der Fuldaer Tagung richteten die innerkirchlichen Kritiker einen eindringlichen Appell an die Teilnehmer, “denn es ist nicht 5 vor 12, sondern mindestens 5 nach 12”. Die Teilnehmer stünden in der Freiheit und Verantwortung, die Papst Franziskus in seinem Brief angesprochen habe, als er lobte, dass die Kirche in Deutschland „der Weltkirche große heilige Männer und Frauen, große Theologen und Theologinnen sowie geistliche Hirten und Laien geschenkt“ habe.

Angesichts der Missbrauchsstudie über sexualisierte Gewalt und deren Vertuschung brauche es einen transparenten Dialog ohne Tabus. Auch sei Frauen der Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren. Beim Thema Sexualität biete der synodale Weg der Kirche die Chance, die Sexualität von Schwulen und Lesben zu akzeptieren sowie Segnungsfeiern für homosexuelle Paare einzuführen und die Überhöhung des priesterlichen Zölibats zu überwinden. Zu den Reformgruppen, die den Appell unterstützen, gehören Wir sind Kirche, die Aktion „Lila Stola“ und Frauenwürde, Aktion Maria 2.0, Initiativgruppe vom Zölibat betroffener Frauen, Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK), Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen und andere.

Zu dem Vatikan-Brief äusserte Wir sind Kirche die “große Befürchtung”, dass er die letzten Hoffnungen auf Überwindung der Kirchenkrise, die von den Bischöfen verursacht worden sei, zunichte machen könne. Die deutschen Bischöfe sollten sich durch diesen Brief nicht einschüchtern lassen und weiterhin zu dem von der großen Mehrheit der Bischöfe zugesagten „verbindlichen synodalen Weg“ in gemeinsamer und gleichberechtigter Verantwortung mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken stehen. Der neue Brief scheine nicht nur von falschen Voraussetzungen auszugehen, sondern halte an einem “monarchischen Kirchenverständnis” fest. Das “klerikale und vor allem Frauen ausschließende Machtsystem der Kirche” sei in Misskredit geraten.

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