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Reformer fordern Rücktritte, Woelki bittet um Verzeihung

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg München/Köln, 26.12.2020, 14:23 Uhr
Presse-Ressort von: Jochen Raffelberg Bericht 5782x gelesen

München/Köln [ENA] Die Reformbewegung Wir sind Kirche sieht die katholische Kirche in einer “nicht vorstellbaren Glaubwürdigkeits- und Strukturkrise”, der nur durch grundlegende Aufarbeitung sexualisierter und geistlicher Gewalt begegnet werden könne. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki bat die Gläubigen in der Christmette um Verzeihung und versprach erneut Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe und die Benennung Verantwortlicher.

In einem persönlichen Wort bat Woelki die Gemeinde an Heiligabend um Verzeihung. Der Kardinal sagte laut Domradio: “Zu den Sorgen, die Sie alle durch Corona ohnehin schon haben, haben wir, habe ich leider noch eine Bürde hinzugefügt. Was die von sexueller Gewalt Betroffenen und Sie in den letzten Tagen und Wochen vor Weihnachten im Zusammenhang mit dem Umgang des Gutachtens zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in unserem Erzbistum, was sie an der Kritik darüber und insbesondere auch an der Kritik an meiner Person ertragen mussten: Für all das bitte ich Sie um Verzeihung.”

Ihm tue “aufrichtig und von Herzen leid”, dass Priester, pastorale Dienste und insbesondere die Menschen in Gemeinden und Verbänden dieser Kritik, die dem Erzbistum “und insbesondere aber auch mir gilt”, mit ausgesetzt seien. Der Kardinal versicherte, zu seinem Wort zu stehen, die Missbrauchsvorwürfe aufzuklären und auch Verantwortliche zu benennen. “Ich habe Ihnen versprochen, dass wir dies ungeschönt und ohne falsche Rücksichten tun,” sagte Woelki laut Domradio, auch wenn “dies öffentlich gerade anders gesehen und angezweifelt” werde.

Den Reformern zufolge hat die Corona-Pandemie abermals die Notwendigkeit geistlichen wie strukturellen Wandels gezeigt, damit Kirche für die Menschen relevant bleibe, schrieb die Gruppe zum Jahreswechsel. Sie hatte zuvor staatliche Stellen aufgefordert, bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche nach irischem und belgischem Vorbild eine “deutlich aktivere Rolle als bisher” einzunehmen. “Es kann keine ‘innere Angelegenheit der Kirche’ sein, wenn Kinder missbraucht oder möglicherweise sogar ermordet werden,” hiess es in der Erklärung Es braucht eine Kontrolle klerikaler Macht. Aus dem Bistum Speyer war bekannt geworden, dass Nonnen Kinder gegen Bezahlung Priestern und Politikern für sexualisierte Gewalt zugeführt hätten.

Macht, Zölibat, Frauenämter und Sexualmoral seien die Themen, die in der von den deutschen Bischöfen bestellten Missbrauchsstudie als Risikofaktoren analysiert worden seien, denen nur durch konsequente Fortführung des Synodalen Weges entgegengewirkt werden könne. Mit diesem Gesprächsformat wollen Klerus und Laien den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester aufarbeiten. Nachdem die Reformer bereits die Verantwortlichen in der Kölner Bistumsleitung zum Rücktritt aufgefordert hatten, bekräftigen sie in ihrem Rückblick, weiter beobachten zu wollen, was die Bischöfe zur “Aufarbeitung sexualisierter Gewalt unternehmen und ob sie gegebenenfalls auch bereit sind, für Fehlverhalten persönlich Verantwortung zu übernehmen.”

Das auch internationale Interesse an diesem “einzigartigen”, wenn auch kirchenrechtlich nicht definierten Synodalen Weg zeige, dass dies kein deutscher Sonderweg sei, sondern “ein Dienst an der Weltkirche” sein könne. Zwar kritisieren die Reformer, nicht direkt am Synodalen Weg beteiligt zu sein, versichern aber, ihn von Anfang an begleitet zu haben. Laut der Bewegung ist die Umsetzung konkreter Regelungen wie beispielsweise die Beauftragung von Pastoralkräften zu Predigt, Taufspende und Eheassistenz jetzt schon kirchenrechtlich möglich. Die pastoralen Zusammenlegungen zu “lebensfernen” Gross-Pfarreien müssten korrigiert und die gegenseitige Teilnahme an Abendmahl und Eucharistie praktiziert werden, resümieren die Reformer.

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